Choosing Mindfulness

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Achtsamkeit in der Pferdeausbildung

Wohl jeder kennt den Spruch “Immer langsam mit den jungen Pferden”. Und der kommt nicht von ungefähr. Besonders mit Jungpferden ist Ruhe, Geduld und Achtsamkeit das A und O. Und in diesem Beitrag möchte ich euch über dieses wichtige Thema und meine Herangehensweise in der Jungpferdeausbildung berichten.

Aller Anfang ist…Achtsam!

Leider ist es sehr weit verbreitet, dass Anreiten und das junge Pferd weiter auszubilden so schnell wie möglich abgearbeitet wird. Gerade bei sehr potentialvollen Pferden muss alles besonders schnell gehen- denn es stehen ja bereits die Qualifikationen für die Bundeschampionate und Jungpferdeprüfungen an. Und wer sich dort nicht zeigt, hat kein Talent- so wird es vermittelt. Doch wenn wir uns die 3-Jährigen, die man häufig in solchen Prüfungen vorfindet ansieht, wird einem schnell bewusst, dass man es hier noch mit “Babys” zu tun hat. Und dass für in Wachstum stehende Pferde ein zu frühes und zu intensives Training für Sehnen, Gelenke, Bänder und auch die Psyche negativ ist, ist doch eigentlich logisch. Nur leider sind die Aussicht auf eine Platzierung häufig der größere Ansporn. Doch das geht auch anders- und darum soll es heute gehen.

Geduld ist gerade als Mama die größte Stärke, die man entwickeln kann. Und auch als Pferde-Mama ist das für die Nachwuchstalente ebenso essentiell. Daher ist meine Devise beim Antrainieren: In der Ruhe und Geduld liegt die Kraft. Denn nichts wird so effektiv und mit Freude an der Sache festigen als wenn das Pferd die Zeit und den Raum bekommt, das es braucht. Da jeder Charakter hier unterschiedliche Ansprüche hat, ist hier natürlich immer individuell zu bewerten wie schnell oder langsam das Training erfolgen muss. Jedoch ist eines wichtig im Hinterkopf zu behalten: Selbst das Lernwilligste, Bewegungskünstlerischte Pferd benötigt auch seine Zeit zur Kräftigung und Entwicklung der Muskulatur. Manche Pferde sind so motiviert, dass sie hier einen erfahrenen Reiter benötigen, der sie hier nicht über die Grenzen hinweg reitet, die das Pferd selbst nicht sieht.

Pausen und Abwechslung als ständige Wegbegleiter

Ein weiterer wichtiger Teil meiner Trainings mit Jungpferden sind regelmäßige Pausen. Hier sind natürlich auch kurze Verschnaufpausen während der Arbeit gemeint, aber auch Tage, an denen die Pferde frei haben- das heißt nicht, 24 Stunden Boxenruhe. Sondern einfach mal nicht unter dem Sattel oder der Longe gearbeitet werden. Entweder handelt es sich um einen Weidetag, Bewegung im Aktivstall oder ein Spaziergang. Durch diese Erholungsphasen hat der Pferdekörper Zeit, sich zu entwickeln und das Pferd verliert so nicht den Spaß an der Arbeit.

Ebenso wichtig ist die Abwechslungsreiche Arbeit- in jeder Trainingseinheit. Selbstverständlich wird nicht in jedem Training eine komplett neue Herausforderung trainiert. Es kann auch beispielsweise schon reichen, mal ein Cavaletti aufzubauen, etwas Schrecktraining einzubauen oder eine neue Lektion zu üben. Auch hier ist es wichtig, auf den individuellen Charakter des Pferdes einzugehen. Manche sind von so viel Neuem überfordert und benötigen erst ein wenig Zeit, um alles zu festigen.

Mit Geduld und Freude ans Ziel

Seit ich mich intensiv mit der Weiterbildung junger Pferde beschäftige, habe ich mir als oberste Priorität gesetzt, jederzeit geduldig und mit positiver Einstellung an das Jungpferd heranzutreten. Denn positive Belohnung wirkt um einiges effektiver, Vertrauensbildender und Pferdefreundlicher als Bestrafung und Druck. Wichtiger Zusatz: Es gibt durchaus Momente, in denen ein Jungpferd impulsiv und durchau gefährlich reagieren kann. Hier ist es natürlich wichtig, Grenzen aufzuzeigen. Jedoch immer mit Respekt, durchdacht und mit einer proaktiven, tierfreundlichen Herangehensweise!

Auch ist es mir wichtig zu erwähnen, dass mit Training nicht nur die Arbeit unter dem Sattel gemeint ist. Bodenarbeit, die tägliche Pflege und den Stallalltag kennen lernen gehören ebenso dazu wie das Anreiten.

Die altersgerechte Förderung eines Jungpferdes ist essentiell für langanhaltende Motivation und Leistung

Der Charakter und die Veranlagung sind Leitlinien

Was ich über die Zeit hinweg immer wieder merke ist, dass man sich noch so sehr an irgendwelche Jungpferde-Leitlinien halten kann- wenn der Charakter und die Veranlagung jedoch nicht “standardmäßig” sind, dann ist hier schon gar nicht dran zu denken. Auch möchte ich dabei noch betonen, dass in meinen Augen die Leitlinien auch deutlich zu viel von Jungen Pferden fordern. Natürlich gibt es immer wieder Überflieger, die hier die Latte hoch hängen. Doch im allgemeinen sorgt ein zu hoch gestecktes Ziel für Frust, Verwirrung, Druck und Demotivation. Alles Dinge, die beim Jungpferdetraining nichts zu suchen haben.

Mein Tipp ist es daher, sich immer ganz genau den Charakter des jeweiligen Kandidaten anzusehen und stets auf dessen Bedürfnisse und Einschränkungen auszurichten.

Ich wünsche euch nun ganz viel Spaß beim Training mit euren Jungpferden und schicke ganz viel Liebe!
Nicola